Projekttitel: ripa bnb – Restoring
Renaturierung von Flussuferzonen im Einklang mit angrenzender Landwirtschaft zur Förderung natürlicher Lebensräume für Steilwandbrüter

In Steilufern an Fließgewässern brütende Vögel kommen durch die starke Begradigung und Verbauung der Fließgewässer sowie durch Sedimentrückhalt hinter Querbauwerken besonders in den Alpen und in deren Vorländern nur mehr äußerst vereinzelt vor. Steilwandbrüter sind gute Indikatoren für eine nachhaltige Renaturierung und stehen stellvertretend für eine Vielzahl an tierischen und pflanzlichen Bewohnern ganzer Flusslandschaften. Vor dem Hintergrund der Biodiversitätskrise und des EU-Renaturierungsgesetzes sind nachhaltige Renaturierungsmaßnahmen dringend notwendig.
Natürliche Fließgewässer benötigen mehr Raum, wodurch Nutzungskonflikte mit den Landnutzenden und -besitzenden entstehen können. Umgekehrt profitiert die Landwirtschaft von den Leistungen der Ökosysteme. Angrenzende Fließgewässerökosysteme sichern unter anderem die Abfuhr von Hochwässern oder eine ausreichende Versorgung des Grundwasserkörpers, terrestrische Ökosysteme die Bestäubung von Nutzpflanzen durch Insekten.
Vorgehensweise
In Arbeitspaket 1 werden unter den naturnahen Bedingungen des Biosphärenparks Mur–Drau–Donau die abiotischen Voraussetzungen für den Bau von Brutröhren in Steilufern untersucht. Dazu erfassen wir den Sedimentaufbau und bodenphysikalische Parameter verschiedener Horizonte, vermessen die Ufergeometrie mittels terrestrischem Laserscanning und parametrisieren die Ufererodierbarkeit mit Wasserstrahltests sowie Bohrlochscherversuchen. Anhand der erhobenen Habitatpräferenzen und mithilfe von Ufererosionsmodellen wird untersucht, welche Rolle der Bodenaufbau der Talböden für die Bereitstellung potenzieller Bruthabitate, aber auch für die lateralen Erosionsgeschwindigkeiten und die „Lebensdauer“ von Steilufern spielt. Diese Modelle und Erkenntnisse werden anschließend unter alpineren Bedingungen an der Lavant überprüft, wo bereits eine Renaturierungsmaßnahme zur Wiederansiedelung der Uferschwalbe geführt hat. Die Validierung ermöglicht es, Prognosegüte und Übertragbarkeit zu bewerten, bevor die Ansätze in den Marchauen angewendet werden – einer Flusslandschaft von herausragender ökologischer Bedeutung und zentrale Modellregion im Alpen–Karpaten–Korridor.
Dort wird in Arbeitspaket 2 untersucht, welche Präferenzen die Steilwandbrüter bei der Auswahl der Flächen zur Nahrungsaufnahme haben und diese mit der Landnutzung in Zusammenhang gebracht.
In Arbeitspaket 3 werden die agrarökonomischen Auswirkungen einer steilwandbrüterfreundlichen Bewirtschaftung möglichst ganzheitlich untersucht: von potenziell verringerten Überflutungshäufigkeiten und resilienteren Erträgen über Dürre- und Hochwasserrisiken bis hin zu dynamischen Pacht- und Eigentumsmodellen in durch Flussdynamik geprägten Räumen.
Schlussendlich fließen die Erkenntnisse in Arbeitspaket 5 in transdisziplinär entwickelte Pläne zur Renaturierung der March-Flusslandschaft ein.
Während des gesamten Projektes werden verschiedenste Akteure (z.B. Landwirt:innen, Naturschützer:innen, Flussbauer:innen, Gemeindevertreter:innen) kontinuierlich in einem transdisziplinären Prozess in die gemeinsame Wissensproduktion eingebunden. Dieser umfasst unterschiedliche partizipative Aktivitäten in den Arbeitspaketen sowie vor allem mehrere Workshops in Arbeitspaket 4.
Das Projekt arbeitet in drei Regionen:
- Biosphärenpark Mur–Drau–Donau: Datenerhebung unter naturnahen Bedingungen
- Lavant: Modellprüfung nach erfolgreicher Wiederansiedelung
- March und Nationalpark Donau-Auen: Planung und Umsetzung als Modellregion im Alpen–Karpaten–Korridor
Ziel des Projektes
Ziel ist es, die Wiederherstellung von Flusslandschaften fördern, hin zu einer Qualität, die durch das Vorkommen von Uferbrütern bestätigt wird – im Einklang mit der landwirtschaftlichen Nutzung der Auen.
Bedeutung des Titels ripa bnb
Der lateinische Begriff „ripa“ bezeichnet das Flussufer; „bnb“ leitet sich von der Abkürzung für „bank-nesting birds“ ab, also Steilwandbrüter. Die Anspielung auf „bed and breakfast“ (ebenfalls „bnb“) ist bewusst gewählt: Das Projekt befasst sich sowohl mit den Steilufern als Lebensraum („bed“) als auch mit dem umgebenden Umland zur Nahrungsaufnahme („breakfast“).
Zusammenarbeit und Partner
ripa bnb verbindet Wasserbau, Naturschutz, Verhaltensbiologie und Agrarökonomie mit transdisziplinären Methoden. In enger Kooperation mit regionalen und nationalen Akteuren sowie laufenden Programmen wie LIFE RESTORE for MDD werden Ergebnisse skaliert und in die Praxis überführt. Die Aktivitäten werden begleitet von Citizen-Science und durch sowie von Aktivitäten zur Wissensvermittlung und Bewusstseinsbildung.
Die gewonnenen Erkenntnisse fließen in konkrete Renaturierungspläne für die March-Flusslandschaft ein. So entsteht ein übertragbares Modell, wie Flüsse wieder lebendig werden – zum Vorteil von Natur, Menschen und Landwirtschaft.
Projektteam:
- BOKU University, Institut für Wasserbau, Hydraulik und Fließgewässerforschung
- STUDIA Schlierbach
- WWF Österreich
Fördergeber: Das Projekt wird aus Mitteln des Earth System Sciences Förderprogramms der Österreichischen Akademie der Wissenschaften finanziert.
Projektzeitraum: 1.12.2025 – 30.11.2028

