ripa bnb – Natürliche Flussufer und vogelfreundliche Landwirtschaft für Uferschwalbe und Bienenfresser

Uferschwalben fliegen vor einem Steilufer, manche landen in den Brutröhren darin und wirbeln Staub auf.
(c) Julian W auf Unsplash.com

In Steilufern brütende Vögel wie die Uferschwalbe oder der Bienenfresser sind gute Indikatoren für den morphologischen Zustand eines Gewässers. Durch ihre Abhängigkeit von Insekten als Nahrungsquelle ist ihre Anwesenheit auch ein Gradmesser für den ökologischen Zustand des oft landwirtschaftlich bewirtschafteten Umlands. Durch die starke Begradigung und Verbauung der Fließgewässer sowie durch Sedimentrückhalt hinter Querbauwerken kommen sie in den Alpen und in deren Vorländern nur mehr äußerst vereinzelt vor, und sind stark angewiesen auf ‚Sekundärlebensräume‘ wie Schottergruben. Eine erfolgreiche Renaturierung von Fließgewässern funktioniert nur dann, wenn natürliche morphodynamische Prozesse wie die Ufererosion dauerhaft ermöglicht werden. Dabei erhöht das EU-Renaturierungsgesetz den Druck, Flüsse und Auen wieder natürlicher zu gestalten.

In ripa bnb bereitet der WWF an der March geeignete Renaturierungsmaßnahmen vor. Als Grundlage untersucht die BOKU zunächst unter den natürlichen Rahmenbedingungen des Biosphärenparks Mur-Drau-Donau die Rolle der Ufersedimente in der Bereitstellung geeigneter Bruthabitate und bestimmt anhand von Messungen der Ufererodierbarkeit die „Lebensdauer“ von Steiluferabschnitten und deren Abhängigkeit von äußeren Rahmenbedingungen. Erstellte Modelle werden unter den alpineren Bedingungen der Lavant überprüft, wo eine Renaturierungsmaßnahme eine Ansiedelung durch Uferschwalben erreichte. Die Ergebnisse kommen schließlich an der March und in den Marchauen zur Anwendung. Der WWF führt eine  Bestandserhebung der Vögel durch und untersucht, welche Gebiete sie für die Nahrungssuche bevorzugen. STUDIA berechnet die agrarökonomischen Auswirkungen einer vogel- und insektenfreundlichen Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen und versucht durch Anwendung transdisziplinärer Methoden alle relevante Interessen an einen Tisch zu bringen, um gemeinsam Möglichkeiten auszuloten, Chancen zu finden und Konflikte zu vermeiden.

Bedeutung des Titels ripa bnb

Der lateinische Begriff „ripa“ bezeichnet das Flussufer; „bnb“ leitet sich von der Abkürzung für „bank-nesting birds“ ab, also Steilwandbrüter. Die Anspielung auf „bed and breakfast“ (ebenfalls „bnb“) ist bewusst gewählt: Das Projekt befasst sich sowohl mit den Steilufern als Lebensraum („bed“) als auch mit dem umgebenden Umland zur Nahrungsaufnahme („breakfast“). Der vollständige englische Projekttitel lautet: „Restoring riparian zones in harmony with farming, fostering natural habitats for bank-nesting birds.“

Mehr Infos zum Projekt, dem Projektteam und den Aktivitäten finden sich hier.

ripa bnb wird aus Mitteln des Earth System Sciences Förderprogramms der Österreichischen Akademie der Wissenschaften finanziert.